„Die Digitalisierung wartet nicht auf Deutschland“

Unternehmen hängen trotz der Coronakrise bei der Digitalisierung nach wie vor hinterher

Seit Jahren ist es ein großes und allgegenwärtiges Wort in Unternehmen. Die Digitalisierung. Seit Ausbruch der Coronakrise im März dieses Jahres hat diese zwar deutlich an Fahrt aufgenommen, aber es gibt nach wie vor erhebliche Defizite in der Umsetzung. „Die Pandemie hat sich anfangs als regelrechter Katalysator der Digitalisierung erwiesen. Plötzlich wurde in digitale Geräte, Anwendungen und neue Technologien investiert. Das Vorurteil, dass Homeoffice doch wie Urlaub sei, dürfte sich endgültig erledigt haben. Die Mehrheit weiß nun um die immense Bedeutung digitaler Technologien für unsere Wirtschaft und Gesellschaft, allerdings wurden die begonnenen Maßnahmen den Sommer über nicht konsequent und zielführend umgesetzt“, kritisiert Fabian Schmid, Geschäftsführer der Schmiddesign GmbH & Co. KG.

Virtuelle Konferenzen im Homeoffice, Deutschstunden per Klassenchat oder auch Skypen mit den Großeltern sind mittlerweile völlig normal geworden. Ein gewisses Maß an Digitalisierung haben deutsche Unternehmen, ausgelöst durch die Coronakrise, bereits durchlaufen. „Meines Erachtens fehlt es aber an einer digitalen Infrastruktur. Alles das, was im Frühjahr passiert ist, war ein reiner Reparaturbetrieb. Unternehmen haben versucht, die Themen schnell und ohne richtiges Konzept zu lösen. Aus der Not heraus wurden Videokonferenzen, Homeoffice-Arbeitsplätze oder digitaler Unterricht aus dem Boden gestampft. Digitalisierung wurde dabei aber nie als Ganzes betrachtet. Über den Sommer hinweg sind alle angestoßenen Projekte wieder eingeschlafen und jetzt stehen wir aktuell fast genauso schlecht da wie im Frühjahr. Vielleicht sind wir einen kleinen Schritt weiter, aber noch lange nicht dort, wo wir hinmüssen und sollten“, prangert der Geschäftsführer der Agentur für strategische und crossmediale Markenkommunikation an.

Digitalisierung funktioniert nur mit einer Strategie
Die digitale Transformation kann nur gelingen, wenn sie auf einer nachhaltigen und zentralen Digitalisierungsstrategie basiert. Es gilt in Unternehmen eine digitale Infrastruktur zu etablieren sowie neue, digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln, die konsequent umgesetzt werden. „Das große Problem sehe ich gerade darin, dass das Thema in vielen Firmen noch nicht organisatorisch verankert ist. Das Thema muss im Vorstand und bei der Geschäftsführung angesiedelt sein und von oben nach unten gelebt werden. Es genügt nicht, die Chancen des digitalen Wandels zu erkennen, sie müssen auch ergriffen werden. Dafür braucht es eine Strategie. Eine Bestandsaufnahme sowie die Ausarbeitung eines Ziels, wohin die Reise gehen soll. Die Digitalisierungsstrategie wird Stück für Stück in kleinen Schritten abgearbeitet. Wer ohne Konzept handelt, der wird dauerhaft viel Geld zum Fenster hinausschmeißen“, so Schmid. Bereits jetzt habe man sehen können, dass stärker digitalisierte Unternehmen in Krisenzeiten weniger anfällig sind und den Arbeitsmarkt stabilisieren. „Ich kann nur an die Verantwortlichen appellieren trotz der unsicheren Zeiten, in denen wir uns gerade befinden, die eigene Digitalisierung voranzutreiben und mit Fachleuten zusammenzuarbeiten. Digitalisierung ist kein einmaliger Prozess und muss immer wieder neu gedacht und weiterentwickelt werden. Dann macht sie Unternehmen wettbewerbsfähig, zukunftssicher und flexibel. Aktionismus ist hier komplett fehl am Platz.“

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